Plastiktüte im Meer - Foto: NABU/Melanie Konrad

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Plastik in Gewässern

Die Plastikvermüllung bedroht unsere Meere, unsere Flüsse und Seen. Viele Tiere verwechseln Plastik mit ihrer natürlichen Nahrung: Meeresschildkröten halten Plastiktüten für Quallen, Vögel fressen Schraubverschlüsse, Zigarettenkippen und Feuerzeuge und verhungern mit „vollem“ Magen.

Verlorengegangene oder über Bord geworfene Fischernetze, sogenannte Geisternetze, treiben jahrzehntelang im Meer und fordern Tausende Opfer unter Fischen, Seevögeln oder Delfinen. Die Tiere verfangen sich in den Netzen, strangulieren sich selbst oder ertrinken jämmerlich.

…im Meer

Unglaubliche zehn Millionen Tonnen Plastik werden Jahr für Jahr allein von Land in die Ozeane getragen! Und wenn wir nicht sofort umsteuern und unser Verhalten ändern, könnte sich diese Menge bis zum Jahr 2025 verzehnfachen, so die düstere Prognose der Wissenschaft.

In jeder noch so entlegenen Region dieser Erde, ob in der Arktis oder der Tiefsee, treffen wir auf die tödlichen Überreste unserer Wegwerfgesellschaft. Grund dafür ist die extreme Haltbarkeit von Plastik. Nur sehr, sehr  langsam wird Plastik durch Salzwasser, Sonne oder Reibung in kleinere Teile zersetzt. Dabei werden auch noch giftige Inhaltsstoffe wie Weichmacher und Flammschutzmittel freigesetzt

Ein besonderes Phänomen sind die sogenannten Müllstrudel in unseren Ozeanen. Große Wasserwirbel sammeln hier gigantische Müllteppiche an. Der wohl bekannteste ist der „Great Pacific Garbage Patch“ im Nordpazifik. Er hat inzwischen die Größe Mitteleuropas erreicht.

Lesen Sie mehr auf www.meere-ohne-plastik.de

…in Flüssen und Seen

Über Plastik in Binnengewässern war lange Zeit nur wenig bekannt. Heute wissen wir, dass die Belastung mit Plastikmüll in unseren Flüssen ähnlich groß ist wie im Meer. Eine besondere Rolle spielen Flüsse als Eintragspfad für Plastik. Das Oberflächenwasser des Rheins schwemmt  jährlich zehn Tonnen Mikroplastik in die Nordsee. Und mehr als vier Tonnen Abfälle gelangen jeden Tag mit der Donau ins Schwarze Meer. Auch Bodensee und Gardasee sind erheblich mit Plastik belastet, wie alarmierende Studien in den letzten Jahren dokumentieren.

Basstölpel mit altem Fischernetz - Foto: NABU/H. Glader

Mikroplastik

Mikroplastik sind Plastikpartikel kleiner als fünf Millimeter. Sie entstehen zum einen, wenn sich größere Plastikabfälle mit der Zeit zersetzen, und werden dann als sekundäres Mikroplastik bezeichnet. Unter primärem Mikroplastik hingegen verstehen wir den direkten Eintrag von kleinen Plastikpartikeln. Sie sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen, ökologisch dafür umso gefährlicher.

…aus Kosmetik- und Haushaltsprodukten

Zu lange haben wir ignoriert, dass viele Kosmetikprodukte Mikroperlen aus Kunststoffen enthalten: in Zahnpasta, Peelings oder Produkten zur Gesichtsreinigung. Auch Haushaltsmittel wie Scheuermilch greifen für ihre mechanische Wirkung auf Plastik zurück. Mit dem Haushaltsabwasser gelangen auf diese Weise viele Milliarden Plastikpartikel zunächst in unsere Flüsse und später ins Meer, da sie nicht vollständig über die Kläranlagen aus den Abwässern zu entfernen sind. 

Als Folge des öffentlichen Drucks der letzten Jahre, u.a. durch die vom NABU unterstützte Kampagne www.beatthemicrobead.org, haben verschiedene Hersteller den Ausstieg aus der Verwendung von Mikroplastik angekündigt.

Mehr Informationen über Mikroplastik in Kosmetika beim Umweltbundesamt.

…in Textilfasern

Ein einzelnes Kleidungsstück aus Kunstfasern kann pro Waschgang bis zu 1.900 Textilfasern an das Waschwasser abgeben, die ebenso wie anderes Mikroplastik nicht durch Klärwerke zurückgehalten werden können. Erst im Jahr 2011 lieferten britische Wissenschaftler diese alarmierende Erklärung für ein lange beobachtetes Phänomen: Synthetikfasern in Planktonproben. Technische Lösungen, zum Beispiel in Waschmaschinen, lassen bis heute auf sich warten.

Darüber hinaus gibt es weitere Eintragswege für Mikrokunststoffe in Gewässer, zum Beispiel durch den Abrieb von Autoreifen oder industrielle Schleif- und Strahlmittel.

 

 

Zahlen und Fakten

Plastikflasche im Nest verbaut - Foto: NABU/Julia Baer

Wie viel Plastik schwimmt in den Meeren?

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen schwimmen inzwischen bis zu 18.000 Plastikteile auf jedem Quadratkilometer Wasseroberfläche. Über die tatsächliche Müllmenge gibt es keine genauen Zahlen, vermutlich sind es mehr als 150 Millionen Tonnen. Zwischen 4,7 und 12,9 Millionen Tonnen Plastik gelangt jedes Jahr von Land in die Ozeane.

Wie viele Tiere sterben an den Folgen von Müll im Meer?

Eine Million Seevögel und 100.000 Meeressäugetiere sterben jedes Jahr durch Plastik. Von 800 marinen Arten ist bekannt, dass sie sich regelmäßig in Müllteilen verheddern oder diese aufnehmen. 43 Prozent aller Wal- und Delfinarten, alle Meeresschildkröten und 36 Prozent der Seevögel fressen versehentlich Müll.

Woher kommt der Müll?

Weltweit kommen bis zu 80 Prozent der Abfälle vom Land: über Abwässer, Flusseinträge, illegale Mülldeponien, Tourismus- und Freizeitaktivitäten. Bis zu 10 Prozent stammen aus der Fischerei. 

Müllmengen in Nord und Ostsee?

Am Grund der Nordsee befinden sich mindestens 600.000 Kubikmeter Müll. Am deutschen und niederländischen Wattenmeer liegen auf 100 Meter Küste durchschnittlich 236 Müllteile, drei Viertel davon aus Kunststoff. Auf Fehmarn fand der NABU 81 Müllteile auf 100 Meter Küste, auf Rügen 150.

Wie ist der Müll im Meer verteilt?

Nur 15 Prozent des Meeresmülls treiben an der Wasseroberfläche, 70 Prozent landet auf dem Grund und weitere 15 Prozent erreichen irgendwann die Küsten.

 

Mehr Informationen auf www.nabu.de/plastik

Müllkippe Meer - Plastikmüll und seine Folgen (PDF)